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Die Geschichte vom Sichtbarwerden ist auch Teil meiner eigenen Geschichte. Schauen wir uns einmal die vielen guten Verstecke an, die wir im Laufe unseres Lebens für uns entdeckt haben. Damit meine ich die vielen unterschiedlichen Rollen, die wir ach so bereitwillig annehmen und immer weiter perfektionieren. Bis, ja bis wir uns selbst darin völlig verlieren.

„Du musst was aus dir machen“, hören wir immer wieder, bis wir uns das dann auch selber sagen. Eine Anleitung dazu, wie das geht „etwas aus sich machen“ und vor allem was, die gibt man uns in der Regel nicht mit auf den Weg.

Zumindest keine Brauchbare, sondern eine, die an die Erwartungen der Gesellschaft an uns geknüpft ist und wir haben gelernt, diese auch zu erfüllen. Es lebt sich ja dann auch einfacher, glauben wir. Alle mögen uns, wir sind überall gern gesehen, wir opfern uns eben gerne auf. Individualität wird nur so lange geduldet, wie wir nicht anders sind, als gewünscht. So verbringen wir also eine lange Zeit im Dunkeln, weit weg von uns selbst und laufen lieber unter dem Teppich, als darauf.

Ich erzähle dir jetzt meine Geschichte vom Sichtbarwerden

Ich bin behütet aufgewachsen, und als ich ein junges Mädchen war, habe ich geglaubt, mir gehört die Welt und alles, wirklich ALLES ist möglich. Irgendwann kamen dann, ich nenne sie einfach mal liebevoll „die Anderen“ ins Spiel. „Stell dir das alles nicht so einfach vor.“ „Das Leben ist kein Ponyhof.“ Ich bin sicher, dass es lieb gemeinte Versuche waren, denn sie wussten es nicht besser. Auch sie schleppten ein Überbleibsel aus der Zeit des Heranwachsens mit sich herum und haben das brav weitergegeben.

Eine Zeit, in der andere ein eigenes Interesse daran hatten, uns zu erzählen wir könnten nicht für uns selbst denken. Eltern, Lehrer, Institutionen, wie die Schule, oder die Kirche, sogenannte Freunde. Leider übernimmt das dann in einigen Fällen auch der spätere Lebenspartner für uns. Du bist einfach nicht gut in solchen Dingen, hört sich dann später mit eigenen Worten ungefähr so an: „Ich bin nicht gut genug!“

Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem das Karussell Fahrt aufnimmt.

Wie alles begann

Bei mir kam dieser „Knackpunkt“, als ich mit meinem Sohn schwanger wurde. 1989, ich war süße 22 Jahre jung, frisch getrennt und ach herrje, plötzlich schwanger. Schock, Starre, Panik … Was soll nur aus mir werden? Wie soll ich das schaffen? Wie komme ich finanziell klar? Ich habe alles infrage gestellt, will ich das Kind, kann ich das?

Ich habe mich für dieses wunderbare Kind entschieden, mit dem ganzen Rückhalt meiner Eltern und doch war es gesellschaftlich einfach nicht angesehen. Ich war eben eine Hure! Ich war schmutzig. Das hat man mir sehr deutlich vor Augen geführt. Ganz besonders gut darin waren die damals beim Jugendamt. Ich selbst habe zu der Zeit noch an einen strafenden Gott geglaubt und hatte Angst meinem Kind könnte etwas passieren, weil ich ja so schlecht war.

So ein Wahnsinn! Heute weiß ich, es gibt keinen strafenden Gott. Gott ist Liebe und wir sind es auch.

Es ist nicht das Leben, welches uns bestraft

Es sind immer wir selbst aus Mangel an Liebe. Liebe zu uns selbst! Ich habe mich also dadurch geboxt. Ich habe gekämpft, für mich, vor allem aber für mein Kind. Dennoch haben die (Ab-) Wertungen „der anderen“ ihre Spuren hinterlassen. Mister Minderwert wurde mein ständiger Begleiter. Ich hatte plötzlich das Gefühl, ich müsse dreimal besser sein, als alle an mich gestellten Erwartungen. Meine eigene Messlatte habe ich so hoch gelegt, dass ich im ständigen Kampf mit mir selber war. Ich wollte durch ständige Höchstleistungen glänzen. Beste Mutter, beste Ehefrau, beste Business Lady, beste Tochter, beste Schwester, beste Freundin …

Ich habe eine unglaubliche Stärke entwickelt, diese auch für alle Menschen um mich herum einsetzen können, viel zu selten aber für mich selber. Bloß keine eigenen Forderungen stellen! Was ich wirklich wollte, weiß ich heute: Ich wollte einfach nur geliebt werden, und zwar so wie ich bin! Der Weg zu diesem neuen (Selbst-) Bewusstsein war lang, schmerzhaft und steinig. Die Steine habe ich mir jedoch alle selber in den Weg gelegt. Ich habe mich selber nicht geliebt, ich konnte es einfach nicht. Da war ja Mister Minderwert! Allgegenwärtig, und hat mir ständig ins Ohr geflüstert, ich sei nicht gut genug. Ich sei nicht liebenswert. All die Bestätigung von außen, konnte nicht helfen. Die Stimme in meinem Kopf war immer lauter als alle anderen.

Im Annehmen war ich schlecht

Ich habe es schlicht und ergreifend nicht geglaubt, wenn ich Komplimente bekam. Ja, im Annehmen war ich echt schlecht! So spielte ich also gerne die Hauptrolle in den Zielen anderer, war ein braves Mädchen und ständig bestrebt everybody´s darling zu sein. Ich trat ein, in den Funktionsmodus und was soll ich sagen, ich wurde todunglücklich und krank.

Tinitus (ich will nicht mehr hören) bekam ich schon mit 18 Jahren, bis er einfach irgendwann ständig richtig laut war.

Kehlkopfentzündung (ich will nicht mehr reden) mehrfach und sehr schmerzhaft

Gewichtszunahme (ich brauche eine dicke Haut), ohne ein verändertes Essverhalten

Verstopfung (alles festhalten und nicht loslassen)

Ich habe mich über all meine Rollen, die ich wirklich fantastisch ausgefüllt habe, definiert. Die wahre, die echte Michaela, die war viele Jahre still.

Der Wendepunkt

Das war ehrlich gesagt ein schleichender Prozess. Ich habe irgendwann begonnen an mir zu arbeiten und vor allem die Art und Weise, wie ich meine Rollen mit Leben gefüllt habe, zu hinterfragen. Die Antworten waren immer gleich: hör auf dein Herz und liebe dich, achte dich, wertschätze dich. Das war nicht immer leicht und es gab natürlich Rückschläge, aber die Richtung war mir klar.

Wie habe ich das geschafft? Mein Tipp für dich!

Beginne mit einer ehrlichen Inventur. Was denkst du heute wirklich über dich? „Zu dick, zu hässlich, zu alt, zu dumm, zu klein, zu groß, vor allem zu nichts nutze?“ Was denkst du über die anderen? „Die sind besser als ich, die haben es mehr verdient als ich, die können mehr als ich und sie sind schöner, schlanker, schlauer, jünger …?“ Was denkst du über dein Leben?

Glaube mir, ich kann dich so gut verstehen. Ich denke jedoch, du bist mit mir einer Meinung und du willst etwas ändern, denn es lohnt sich so sehr! Finde heraus, wer du bist und was du willst. Vor allem aber, sieh, wie wundervoll und liebenswürdig du wirklich bist!

Meine Lieblingsmethode

Beginne noch heute mit einem kleinen Liebesbrief an dich selber. Glaube mir, ich weiß, wie schwer das ist. Wir sind ja im Mangel, da fällt uns erst mal nichts Tolles ein. Andersherum wäre es einfacher. Vielleicht hilft es dir, wenn ich dir sage, dass du immer so behandelt wirst, wie du dich selber behandelst. Mit anderen Worten, wenn du dich nicht selber achtest und respektierst, dann wirst du auch von anderen missachtet und respektlos behandelt.

Du willst, dass das aufhört, dann beginne bei dir selbst:

Liebe Michaela, du bist wundervoll. Du hast ein wunderschönes Lächeln, du bist warmherzig und liebevoll. Ich liebe es in deiner Gesellschaft zu sein, du bringst mich immer wieder zum Lachen. Du hast tolle Ideen und machst mir immer wieder Mut …

Ich habe meinen Brief geschrieben, er ist mittlerweile eine lange, lange Liebeserklärung und ich lese sie mir hin und wieder gerne morgens vor dem Aufstehen durch. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht gehe ich dann ins Bad und ich liebe es, diese wunderbare Frau im Spiegel zu pflegen!

Mein tägliches 5 Minuten Date mit mir selbst

Das ist mittlerweile mehrfach am Tag ein festes Ritual. Dazu gehört mein Liebesbrief, aber vor allem auch

-meine tägliche Meditation,

-der Gang in die Natur und

-meine „dollen fünf Minuten“.

Für die Meditation musst du nicht erst Profi werden, 1.000 Kurse belegen und 100 Bücher lesen. Das sind alles weitere Ausreden dafür, heute nicht zu beginnen. Suche dir einen bequemen Platz, einen Wohlfühlort, wo auch immer der ist. Stelle dir einen Wecker für 5 bis 10 Minuten. Setze dich bequem hin, schließe die Augen und lasse deine Gedanken einfach laufen, halte nicht an ihnen fest und laufe ihnen auch nicht hinterher. Übe dich darin, du wirst merken, wie dein Geist im Laufe der Zeit, ruhiger wird. Das ist schon mal ein Anfang.

Meine „dollen fünf Minuten“ tanzen, singen, springen, schreien, einfach alles, was dir einfällt. Das macht einen Riesenspaß und befreit irre. Wenn du kleine Kinder hast, dann lasse sie einfach mit toben. Fange ruhig klein an, es braucht nicht alles auf einmal. NUR FÜNF MINUTEN täglich ♥

Umgib dich mit Menschen, die dich bedingungslos mögen. Von allen anderen darfst du dich gerne verabschieden, auf jeden Fall gilt für diese Menschen: Verbringe mit ihnen so wenig Zeit wie nötig!

Beginne dir etwas zu wünschen. Nur für dich. Mache eine kleine Wunschliste und erfülle dir diese Wünsche nach und nach. Beginne damit Dinge nur für dich zu tun. Fordere deine Wünsche ein, lerne zu sagen, was du willst.

LEBE LAUTER!

Zeige, dass es dich gibt, und mache dir die Welt so, wie sie dir gefällt. Sei einfach mal wie Pippi Langstrumpf.  Das ist kein Egoismus, sondern wundervolle Selbstliebe, zu der ich dich hinführe. Du wirst, nur weil du beginnst, etwas für dich zu tun, deine liebevolle, warmherzige Art nicht verlieren. Du wirst gewinnen, dein Herz gewinnen, ein neues Glücksgefühl und ganz viel Liebe. Nicht jeder Tag ist gleich, manche sind einfach gleicher. Du kannst nicht scheitern, du kannst immer wieder einen Schritt nach vorne machen. Einen Schritt zu dir!

Danke, dass ich dich einen kleinen Teil deiner Schritte begleiten darf.

Foto: © blickpixel