Lass uns in dieser ach so perfekten Welt doch mal über einen Scheißtag sprechen. Ist ja nicht immer alles rosarot und supertoll, auch wenn die meisten Menschen so tun. Ich hab jedenfalls keinen Bock mehr, immer alles wegzulächeln und wegzuschminken. Lass uns mal über die nackte Wahrheit sprechen.

Denn hin und wieder ist er da, der ganz normale Scheißtag und wir mittendrin. Da hat man sich so viel vorgenommen. Der Tag war bestens vorbereitet und geplant und dann stehst du schon mit dem falschen Bein auf. Noch besser, du stehst mit zwei falschen Beinen auf und das Drama nimmt seinen Lauf. An solchen Tagen ist es dann völlig egal, was du anpackst, es läuft einfach alles schief.

Ein Scheißtag eben.

Heute soll es aber nicht darum gehen, wie du noch effizienter wirst, sondern wie du es schaffst damit umzugehen, wenn mal wieder ALLES schiefgeht.

Das auch meine Tage nicht immer so glanzvoll verlaufen, wie ich sie mir vorstelle, ist da nur normal. Stecken wir aber mittendrin in so einem Scheißtag, sehen wir das meistens nicht so gelassen. Ich bin auf jeden Fall nicht als Planungsgenie bekannt und dennoch mache ich mir hin und wieder auch so meine Gedanken über meinen perfekten Tagesablauf.

Das ich dabei dazu neige, mir oft viel zu viel vorzunehmen, ist erst mal eine kleine Randnotiz. Und wenn ich so darüber nachdenke, dann plane ich vielleicht sogar meinen Scheißtag? Zu viele To-dos und zu wenig Luft zum Atmen? Nein sagen ist auch nicht meine Paradedisziplin. Und dann kommt da noch meine ausgesprochene Sensibilität hinzu. Haltet die Welt an, ich will aussteigen!

Ich stelle dir hier mal einen meiner letzten absoluten Scheißtage vor:

Der Wecker klingelt und das Erste, was ich an diesem Morgen völlig fertig aus einer miserablen Nacht kommend zu meinem Wecker, vielleicht auch zu mir selbst, sage, ist: „Willst du mich verarschen?“ So weit ist es also gekommen. Ich unterhalte mich mit meinem Wecker. Wobei es ja streng genommen keine Unterhaltung ist. Es ändert aber nichts daran: Verdrängt ist meine schöne Morgenroutine, mit der ich mich sonst morgens immer freundlich begrüße, mich bei der Nacht bedanke und mich auf den beginnenden Tag freue. 

Ehrlich gesagt ist das meistens schon der Anfang vom Ende. Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber wenn ich so aus dem „Bett falle“ dann herrscht einfach zu viel Unruhe und Durcheinander in meinem Kopf und das rächt sich immer. Es hilft mir, wenn ich mich morgens vor dem Aufstehen erst einmal sortiere. Eine kleine Atemübung mache und nicht direkt mit den Gedanken in das hineinfalle, was ich alles zu erledigen habe. 

Zurück zur Geschichte

Die Nacht war eine Katastrophe, ich habe das Gefühl, ich habe gar nicht geschlafen. Diese netten kleinen Wechseljahrs-Schlafstörungen. Weißt du, da denkst du, du hast die Kinder groß, der Hund ist auch schon aus dem Welpenalter raus und jetzt klappt es endlich mit dem Durchschlafen. Weit gefehlt! Ich überlege die ersten 10 Minuten im Bett, ob ich nicht doch besser liegen bleibe, denn dieser Tag kann nur schlecht laufen. Sagt mein unentspannter Körper, ganz zu schweigen von den deutlichen Signalen aus meinem Kopf: „Bleib liegen! Scheißtagalarm!“

Scheißtag bleibt Scheißtag?

Und der Wahnsinn nimmt seinen Lauf. Aus dem Bett gequält, gibt mir der erste Blick in den Spiegel recht. Ich sehe aus, als hätte mich in der Nacht ein Zug überrollt. Da ist heute nicht mehr viel zu retten. Ich fühle mich hässlich, alt und erschöpft. Der Inhalt meines Kühlschranks verspricht mir das Gleiche. Das Brot verschimmelt, der Soja-Joghurt abgelaufen und ranzig, heute fällt das Frühstück aus. Das ist ohnehin besser, denn ich bin ja im Badezimmer schon dem Trödelverein beigetreten und habe dort den Vorsitz übernommen. Mit „schnell mal eben“ wird das heute nichts mehr. KEINE ZEIT MEHR.

Der Hund muss noch Gassi und im Wohnzimmer riecht es verdächtig nach Schei…  Herzlichen Glückwunsch der Kater hat Durchfall. Ich raste aus. Dafür ist das Katzenklo noch sauber. Das meine Tochter den Hund damals unbedingt haben wollte und ihr eigentlich auch die Katzen gehören (wir haben zwei), das kommt dir sicher bekannt vor. An wem bleibt es hängen? Klar liebe ich die Tiere, manchmal aber auch nicht. Sagt mein Kopf.

Ich beginne diesen Tag zu hassen

Heute ist Bürotag bei einem Kunden von mir und auf dem Weg dorthin begrüßt mich die „rote Welle“ und ich bin viel zu spät dran. Völlig entnervt im Büro angekommen, habe ich dann noch mein Passwort für das Login vergessen und das Ding ist erst mal gesperrt. Ich beginne, diesen Tag zu hassen. In solchen Momenten verliere auch ich den Blick für all das, was gut läuft und konzentriere mich nur noch auf das Negative. Ich kann dir sagen, es klappt. Aber das weißt du ja wahrscheinlich bereits aus eigener Erfahrung.

Was macht man nun mit solchen Tagen, an denen scheinbar alles schiefgeht?  Wie schaffst du es, diesen Scheißtag einigermaßen würdevoll zu ertragen, und deine Mitmenschen am Leben zu lassen?

Jetzt, wo ich diesen Tag noch einmal beschreibe, kann ich auch darüber lachen. In meiner ganzen Wut, dem ohnmächtigen Gefühl von heute geht nix, sah das anders aus. Denn stecken wir mittendrin, fühlen wir uns oft hilflos und überlassen uns dem Schicksal.

Vielleicht sollte ich besser sagen, wir überlassen uns unseren Gedanken darüber, was alles nicht funktioniert und warten förmlich darauf, dass es auch eintrifft.

Meine 7 besten Tipps

Tipp Nr. 1

Akzeptiere einfach, dass dieser Tag ein Scheißtag ist. Mit Gewalt geht da nämlich gar nichts.

Zugegeben, solche Tage habe ich eher selten und wenn, dann bade ich auch schon mal einen Moment lang in meinem Selbstmitleid. Damit ich aber wieder da rauskomme, habe ich für mich gelernt, diesen Scheißtag dann einfach anzunehmen. Schließlich scheint ja auch nicht immer die Sonne.Ich weiß aber, dass die Sonne irgendwann wieder kommt und so ist es dann auch mit meiner guten Laune.

Bleibe ich jedoch dabei und erwarte auch für den Rest des Tages weitere Katastrophen, dann kommen sie bestimmt. Du weißt doch, was du ausstrahlst, das bekommst du auch zurück. Und das geht an solchen Tagen garantiert und sofort. Schaffe ich es mit ein wenig Abstand, den Scheißtag so anzunehmen und sein zu lassen, wie er ist, dann kann ich ihn auch wieder entlassen, also loslassen. Meinen Widerstand aufgeben und mit ein ganz klein wenig mehr Abstand sogar darüber lachen. Am liebsten über mich selbst. Klingt kompliziert? Ist es aber nicht. Trau dich und probiere es aus.

Tipp No. 2

Sei nicht zu streng mit dir und verfalle dann in Selbstmitleid.

An solchen Tagen neigen wir nämlich genau dazu. Wir beginnen damit, uns runterzuputzen und dann baden wir eine Runde in unserem Leid.

  • So was passiert immer nur mir.
  • Alle anderen kriegen ihr Leben auf die Reihe, nur ich nicht.
  • Wenn ich besser geplant hätte, dann wäre das nicht passiert …

Wir suhlen uns in Vergleichen und suchen Bestätigung dafür in unserem Spiegel, auch der ist dann nicht milde zu uns. Wir sehen uns in diesen Momenten hässlich, dick, oder alt, oder alles zusammen. Erkenne solche Momente als das, was sie sind. Nur Gedanken in deinem Kopf.

Selbstmitgefühl ist das Zauberwort. Du darfst dich auch mal schlecht fühlen. Es ist okay, wenn du dich überfordert fühlst

Tipp No. 3

Der Spiegeltrick

Ich kenne dich nicht, aber ich schminke dich trotzdem. Das hast du sicher schon einmal irgendwo gehört. Ein schnelles Lächeln oder ein herzhaftes lautes Lachen über mich selbst, zaubere ich mir mit folgendem Trick ins Gesicht:

Ich stelle mich nackt vor den Spiegel und finde das, was ich da sehe erst mal zum Kotzen. Ich beginne damit mir doofe Grimassen zu schenken, ich strecke mir die Zunge raus, ich tobe wie ein kleines Kind vor dem Spiegel und es dauert nicht allzu lange, bis ich, erst ganz zaghaft, beginne zu grinsen und dann schallend lachen muss.

Zum Schluss frage ich mich dann noch: „Na, hast du dich wieder beruhigt?“

Wenn das mit dem Nacktsein für dich nicht klappt, dann mach das in Klamotten!

Tipp No. 4

Gehe offen mit deinen Gefühlen um.

Egal, ob es dein Partner, deine Kinder, oder deine Arbeitskollegen sind, gib ihnen die Chance,  sich darauf einzustellen, dass da gerade etwas in dir tobt und „kotze ihnen nicht einfach vor die Füße“ und nerve mit deiner schlechten Laune. Du musst nicht immer die Superwoman Rolle spielen und lässig über allen Dingen stehen. Du bist ein Mensch mit Gefühlen, Schwächen und Stärken. Du darfst sie auch zeigen. Anstrengend wird es für dich und dein Umfeld, wenn du dich darin verlierst.

Ich bitte dann in solchen Momenten einfach um ein wenig Geduld mit mir und je nach Situation auch darum, mich heute mal für eine Weile in Ruhe zu lassen. Zumindest so lange, bis ich mich wieder gesammelt habe und über mich und den Scheißtag lachen kann.

Tipp No. 5

Geh raus

Es gibt Momente, da habe ich tatsächlich ein stark erhöhtes Aggressionspotenzial. Ich koche vor Wut. Früher habe ich das ausgesessen und runtergeschluckt. Gute Miene zum bösen Spiel, bis ich daran kaputt gegangen bin. Diese Wut muss ja irgendwo hin. Lass sie einfach raus, und zwar da, wo du keinen damit verletzt. Dich auch nicht!

Stelle dich auf deinen Balkon, gehe in den Garten, gehe in den Wald, gehe irgendwo hin und schreie es raus. Schreie laut, brülle alles raus, springe und stampfe auf dem Boden. Mich befreit das mich immer sehr. In der Regel folgt dann ein Lachanfall und ich bin wieder gut mit mir. Was die anderen denken? Das darf dir egal sein, immerhin quälst du sie danach nicht mehr mit deiner miesen Laune.

Du kannst es auch raus tanzen! Musik aufdrehen und den Körper zappeln lassen.

Tipp No. 6

Mach mal eine Pause

Wenn es uns schlecht geht und wir das Gefühl haben, dass wir völlig neben uns stehen, dann hilft eine kleine Zwangspause. Ich weiß, was du jetzt denkst: Das kann ich mir nicht leisten, die hat gut reden. Wenn ich die Sachen nicht erledige, dann macht sie keiner. Termine, Termine, Termine. Partner, Kinder, Tiere, Haushalt, Job …

Lerne die Stille in dir kennen! Du ahnst nicht wie viel Kraft sich darin verbirgt. Wenn dir die Stille unheimlich ist, dann lies diesen Artikel!

Fakt ist doch, dass du in dieser Verfassung ohnehin nicht so viel Brauchbares ablieferst. Gerade jetzt solltest du dich besonders um dich selbst kümmern. Du kannst nicht immer funktionieren. Ein gut gemeinter Rat an dieser Stelle: Vermeide Frustshoppen. Ich spreche da aus eigener Erfahrung. Das ist ein Belohnungssystem, welches nicht funktioniert und in den meisten Fällen kommt die Kaufreue gleich hinterher und alles geht von vorne los.

Dabei lernst du nicht mit deinen Gefühlen umzugehen, sondern es ist nur eine weitere Ablenkung und führt dich weiter weg von dir selbst. Mal ganz abgesehen vom Kontostand. Gönne dir stattdessen etwas wirklich Schönes, Zeit für dich selbst.

Tipp No. 7

Nimm dich selber nicht zu ernst

Mache das, was du machen kannst und über den Rest denke einfach nicht so viel nach. Packe deine Tage nicht zu voll, denn damit programmierst du sicher schon den nächsten Scheißtag. Geduld mit dir selbst zahlt sich immer aus. Lache über dich. Ganz besonders dann, wenn du so richtig in deiner Wut feststeckst. Vielleicht magst du die Wut auch rausstampfen. Rausschreien (am besten im Wald) und dann über dich lachen. 

So ernst ist das Leben nicht. Es sei denn, du machst es zu einer ernsten Sache. 

Mein Fazit für dich:

Bevor du jetzt aber gleich hier abhaust, lass mir doch eine kleine Nachricht da.

Wie gehst du mit deinem Frust um? Was ist dein Geheimtipp für mich?

Fühle dich umarmt,

deine Michaela

Foto: ©Antonioguillem

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