Das Leid liegt im Festhalten!

In den Augen vieler anderer Menschen hätte ich in meinem Leben genug Grund gehabt, verzweifelt zu sein, mich selbst zu bemitleiden und nicht so unkaputtbar positiv, durch mein Leben zu gehen. Herausforderungen gab es satt, in so manchen Jahren echt im Überfluss. Ich habe einfach nie nach hinten geschaut, um dort zu verweilen, bei den miesen Gefühlen, den negativen Gedanken und auch nicht zu lange mit dem Blick in die Zukunft verbracht.

Mein Rezept dafür? Lies einfach weiter. Ich hoffe, ich kann dir helfen, deinen Blick auf die Dinge, auf dein Leid und deinen Kummer, zu verändern. Wie oft im Leben reichen kleine Schritte und der Erste gelingt dir vielleicht mithilfe meiner Worte.

Die Welt will dir nichts böses

und es gibt keinen strafenden Gott. Beides will ich an dieser Stelle schon einmal klarstellen. Es gibt nirgendwo eine Instanz, die dafür zuständig ist, Menschen permanent Herausforderungen vor die Füße zu werfen. Sollte dir das irgendjemand gerne weismachen wollen, dann erinnere dich an diese Zeilen.

Was hätten die Welt und Gott für einen Gewinn, wenn es dir schlecht geht und du leidest? Ich behaupte einfach mal, dass es die Welt nicht interessiert, wie es dir geht. Stellt sich die nächste Frage:

Warum sollte Gott, dessen Kinder wir sind, Freude daran haben, seine Kinder zu strafen? Nun, wenn du nicht an Gott glaubst, ist das völlig okay. Ich will hier niemanden bekehren, denn darum geht es gar nicht.

Ich persönlich halte es mit gar keiner Religion, diese sind alle von Menschen gemacht und verfolgen eigenständige Ziele. Aber, ich glaube an Gott, nur damit wir einmal darüber gesprochen haben. Ich will dir lediglich helfen zu verstehen, warum es in uns selbst liegt und dir kleine Anregungen geben, wie du mit deinen Herausforderungen, deinem Leid leichter oder anders umgehen kannst.

Das Leid verdrängen ist keine Option

Verdrängen ist weglaufen und glaube mir, es ist immer schneller als du. Es kommt zurück. Es mag sich dir vielleicht in einer anderen Form darbieten, aber es kommt so lange wieder, bis du dich der Herausforderung stellst. Sie annimmst.

Das Gleiche gilt auch für den gern zitierten Satz: Augen zu und durch. Hilft auch nicht.

Annehmen ist anschauen. Und das macht uns am wenigsten Freude. Wir wollen ja gerade deswegen verdrängen, weil wir es nicht sehen wollen. Sei mir nicht böse, aber die meisten Menschen lügen sich lieber selbst die Hucke voll, als ehrlich zu sich selbst zu sein.

Anschauen ist eine Innenschau, die niemals mit der Frage nach dem Warum beginnt. Diese Frage nach dem, Warum, wird, dein Verstand – nennen wir ihn an dieser Stelle: Ego – immer versuchen, mit einer gewissen Logik zu beantworten. Die Logik ist es, die dich im Kreis drehen lässt. Ego befeuert dein Gedankenkarussell und glaub mir eins, es lässt dich nicht aussteigen. So wirst du dir eher die immer gleiche Geschichte auftischen und ihr hinterher laufen.

Du wirst weiterhin vergleichen, weiterhin bewerten und dich weiterhin prügeln. Der Vergleich und die Bewertung kommen aus der Vergangenheit, denn dort hast du ja schon unzählige Erfahrungen gemacht und der Verstand (Ego) gleicht „Neues“ mit bereits Erlebtem ab. Daraus zieht er dann seine logischen Schlussfolgerungen.

Schaue nicht nach hinten

Versteh mich bitte nicht falsch. Fast alle Menschen schwelgen gerne in alten Erinnerungen. Wie wahr oder besser gesagt, wie nah dran, sind aber unsere Erinnerungen? Sind Erinnerungen nicht vielmehr eine Mischung aus Erlebten, Gefühlen, Geschichten, die du dir selbst erzählst und anderen Erlebnissen? Vielleicht sogar Geschichten, die dir jemand anderes „ins Ohr“ geflüstert hat?

Dr. Julia Shaw (Wissenschaftlerin in der Abteilung für Psychologie an der University College London (ULC). Dort forscht sie im Bereich der Rechtspsychologie, Erinnerung, und Künstlicher Intelligenz.) sagt dazu folgendes in einem Interview:

„Unser Gedächtnis funktioniert eher wie eine Wikipedia-Seite. Das habe ich von Elizabeth Loftus (eine US-amerikanische Psychologin und Gedächtnisforscherin, d. Red) geklaut. Wir selber können es manipulieren und verändern. Andere können das aber auch. Erinnern ist ein sozialer Prozess und unser Gedächtnis ist viel flexibler als wir uns das oft vorstellen. Das ist nicht einfach wie bei einem Computer, bei dem man etwas speichert und wieder aufruft. Unser Gehirn hat etwas Fließendes, sich ständig Veränderndes.“ Quelle: NW

Ihr Bestseller: Das trügerische Gedächtnis – wie unser Gehirn Erinnerung fälscht, ist sehr lesenswert. Ich habe es verschlungen und es hat mir so manches Auge geöffnet.

Die Schau nach hinten ist somit fast immer verfälscht und wir schenken ihr so viel Glauben. Damit geben wir ihr Macht über uns. Die Vergangenheit ist vorbei. Sie existiert nicht mehr. Was machen wir Menschen aber dennoch? Wir gehen in die Vergangenheit zurück und holen sie in unsere Gegenwart, die dann keine Gegenwart mehr ist. Sondern eher, wie eine wiederkäuende Kuh ihre Nahrung wieder hochwürgt, die Vergangenheit wieder präsent macht. Wir machen die Vergangenheit lebendig. Und aus eben dieser Vergangenheit machen wir den Blick in die Zukunft.

Der Blick in die Zukunft

Ganz ehrlich? Wir könnten auch versuchen, in der Glaskugel zu lesen. Das Ergebnis wäre unterm Strich wahrscheinlich das Gleiche. Wir wissen es nicht. Wir wissen nicht, was in der Zukunft passiert. Und trotzdem lassen wir es zu, dass sich unser Verstand (Ego) in unserem Kopf austobt und munter sein Spielchen spielt. Während wir leiden, bastelt Ego munter aus der Vergangenheit eine Zukunft. Na und was erwartet uns da wohl? Noch mehr Leid.

  • Unerträgliche Schuldgefühle
  • Angst
  • Sorgen

Wenn du über das Leben nachdenkst, dann bedenke Folgendes: Weder ändern deine Schuldgefühle die Vergangenheit, noch lösen deine Ängste und Sorgen die Zukunft!

Es gibt Situationen, in denen ich nicht wirklich und dennoch in meine Zukunft geschaut habe. Nämlich dann, wenn ich überrollt wurde von meiner Herausforderung. (Schicksalschlag hört sich so dramatisch an und ich bin ja jetzt im Frieden mit meiner inneren Dramaqueen.)

So geschehen während einer meiner dunklen Phasen.

Nach der Trennung von meinem Mann

Manchmal, wenn es zu viel ist, dann möchte man sich nur verkriechen oder einbuddeln. Die Zeit am besten vorspulen oder besser noch zurück. Es soll einfach nicht passiert sein. Augen schließen. Nicht hinsehen. Wie die kleinen Kinder, die sich die Augen zu halten, wenn sie sich verstecken. Wenn du nichts siehst, dann sieht dich auch kein anderer. Viel wichtiger, dann musst du nichts fühlen. Nur nichts fühlen. Weglächeln.

Den Kopf schön gebeugt halten. Für den nächsten harten (Schicksals-) Schlag.

Und hier beginnt die Zeitschleife. Du bewegst dich von der Vergangenheit in die Zukunft und klammerst dabei den gegenwärtigen Moment aus. Der Schmerz ist so groß und die Angst riesig. Die eigene innere Liebe weg.

Ich hatte so lange einfach nur funktioniert, um mir nur nicht anmerken zu lassen, wie schlecht es mir ging (das ist mir natürlich nicht gelungen, weil mein Töchterchen mich lesen kann, wie ein Buch). Und das ich wirklich keinen Plan hatte, wie es weitergehen könnte, dass ich mich eines Tages in meinem Bett wiederfand und nicht aufstehen wollte. Ich hatte nicht mal mehr die Kraft oder das Verlangen nach einem Blick in die Zukunft. Ich war leer.

Halt, stimmt nicht. Ich war voll mit Schuldgefühlen, Angst und Sorgen. Ach ja, und ganz viel Wut. Wut auf mich, auf meinen Mann und überhaupt auf die ganze Welt. Davon erzähle ich dir ein anderes Mal.

Du tust gut daran, wenn du versuchst folgendes, zu erkennen:

Vergangenheit und Zukunft bilden etwas lückenlos Zusammenhängendes und die Gegenwart existiert nicht. JETZT ist weg.

Und versuche bitte nicht, dass mit deinem Verstand (Ego) zu verstehen. Es geht hier wirklich um Erkenntnis, nicht um Verständnis!

Das Leid liegt im Festhalten

Irgendwie sind wir Menschen doch ganz schön bescheuert. In Momenten des größten Glücks schleicht sich die Angst ein, es verlieren zu können und wir halten fest. Schon in diesem Augenblick beginnt das Leid.

Unterschwellig begleitet uns nämlich diese Angst.

„Könnte ich diesen Moment doch für die Ewigkeit festhalten.“ Kennst du das? Tatsache ist: alles ist im Wandel. Während du bis hierhin gelesen hast, sind in deinem Körper mindestens 50 Millionen Zellen gestorben und 50 Millionen neue Zellen entstanden. Wir tun uns selbst einen Gefallen, wenn wir mit dem Wandel gehen, ihn nicht bekämpfen und auch nicht krampfhaft an „alten“ Dingen festhalten. Loslassen ist das Heilmittel.

Loslassen muss nicht schwer sein und wenn du dieses Thema für dich noch einmal vertiefen willst, dann schaue gerne hier vorbei:

Wie Leid entsteht und wie du es auflösen kannst

Ich habe es in einem etwa 17 minütigen Video nochmal für dich aufgegriffen.

Mein Fazit für dich:

  • Hol deinen Kopf aus der Vergangenheit raus.
  • Lerne loszulassen und
  • beginne endlich im Jetzt zu leben!